Der unglaubliche Hulk

Der unglaubliche Hulk ist einer der bekanntesten Superhelden des Marvel-Universums. Erschaffen 1962 von Stan Lee und Jack Kirby, erzählt die Serie die Geschichte des Wissenschaftlers Bruce Banner, der sich nach einem Unfall mit Gammastrahlen in das grüne Monster Hulk verwandelt. Zwischen tragischem Schicksal und gewaltiger Kraft gehört Hulk zu den populärsten Figuren der Comicgeschichte.

In Deutschland erschienen die Hulk-Comics u. a. im Williams Verlag, bei Condor und später bei Panini. Mit dramatischen Geschichten, ikonischen Kämpfen und spektakulären Zeichnungen ist Hulk ein fester Bestandteil der Marvel-Welt und bis heute ein gefragtes Sammlerthema.



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Der unglaubliche Hulk – Entstehung bei Marvel und deutsche Veröffentlichungen

Entstehungsgeschichte des Hulk bei Marvel Comics

Der Hulk wurde 1962 von Stan Lee (Autor) und Jack Kirby (Zeichner) geschaffen und hatte seinen ersten Auftritt in The Incredible Hulk Nr. 1 (Mai 1962). Stan Lee ließ sich bei der Figur von klassischen Monstergeschichten inspirieren: Der tragische Hulk ist eine Mischung aus Frankensteins Kreatur und Dr. Jekyll & Mr. Hyde. In der Ursprungsgeschichte rettet der schüchterne Wissenschaftler Dr. Bruce Banner einen Teenager vor der Explosion einer Gamma-Bombe, wird dabei mit radioaktiver Strahlung überflutet und verwandelt sich fortan bei Wut oder Stress in ein riesiges, grünes Monster – den Hulk.

(Interessanter Fakt: In der allerersten Ausgabe war der Hulk grau; aufgrund von Druckproblemen wechselte man aber schon ab Ausgabe 2 auf die endgültige grüne Hautfarbe.)

Die ersten Comics zeigten Hulk als zwiegespaltenes Wesen: Banner, der geniale aber physisch schwache Mensch, und der gewaltige Hulk, der vor Stärke strotzende „wütende Goliath“. Diese frühe Serie (The Incredible Hulk Vol. 1) war jedoch zunächst kein großer Verkaufserfolg und wurde nach nur 6 Heften im März 1963 vorläufig eingestellt. Stan Lee hatte alle sechs Geschichten geschrieben, Jack Kirby zeichnete die Hefte Nr. 1–5, und für Ausgabe Nr. 6 übernahm Steve Ditko die Illustrationen.

Trotz der Einstellung verschwand der Hulk nicht aus dem Marvel-Universum: Bereits kurz darauf tauchte er als Gastfigur in anderen Reihen auf. So war er 1963 ein Gründungsmitglied der Avengers (den „Rächern“) und trat in den ersten beiden Avengers-Heften auf, ebenso in Fantastic Four Nr. 12 und Spider-Man Nr. 14 jenes Jahres.

Schon 1964 feierte der Hulk sein Comeback mit einer eigenen fortlaufenden Story in der Heftreihe Tales to Astonish: Ab Ausgabe Nr. 60 wurde er dort als zweite Hauptfigur etabliert. Als Marvel 1968 mehr Seiten für Hulk-Abenteuer bereitstellen wollte, benannte man Tales to Astonish mit der Ausgabe Nr. 102 in The Incredible Hulk um. Damit erhielt der Hulk 1968 seine eigene Serie zurück (Vol. 2), die ununterbrochen bis in die 1990er Jahre lief.

In dieser Zeit entwickelten sich viele bekannte Elemente der Hulk-Comics: Es wurden wiederkehrende Schurken wie der Leader (eines der ersten großen Hulk-Gegenspiele) und die Abomination eingeführt, und später erweiterten Autoren wie Len Wein und Peter David die Figur um neue Facetten – z. B. verschiedene Persönlichkeiten des Hulk, wie der „Professor-Hulk“ in den 1990ern. Der Hulk blieb durch ständige Weiterentwicklung ein fester Bestandteil des Marvel-Comic-Universums – sowohl in den USA als auch international.


Hulk-Comics in Deutschland: Von BSV über Williams bis Condor

Bildschriftenverlag (BSV): Hulks erste Auftritte in Hit Comics

In Deutschland tauchte der Hulk erstmals in den späten 1960er-Jahren beim Bildschriftenverlag (BSV) auf. BSV veröffentlichte ab 1966 die Heftreihe Hit Comics, in der verschiedene Marvel-Superhelden abgedruckt wurden. Zunächst war der Hulk dort nur eine Zweitstory hinter populäreren Helden wie Spider-Man („Die Spinne“). Doch bald erhielten seine Episoden einen eigenen Titel: Die Hulk-Geschichten wurden unter dem Banner „HALK – Mensch – Dämon – Untier“ präsentiert. Diese etwas eigentümliche Schreibweise „Halk“ statt Hulk sollte wohl helfen, die korrekte Aussprache im Deutschen zu verdeutlichen.

Die frühen deutschen Hulk-Comics litten unter einigen Qualitätsmängeln. So erschienen die Hefte innen schwarzweiß (nur das Cover war farbig, auf dem der Hulk folglich als einzigem Ort grün zu sehen war). Außerdem verzichtete man auf professionelles Lettering – die Texte in den Sprechblasen wurden schlicht mit der Schreibmaschine gesetzt. Neben solchen technischen Aspekten gab es auch inhaltliche Ungereimtheiten: Die Veröffentlichungsreihenfolge der Geschichten war chaotisch und nicht chronologisch. Oft wurden US-Hefte in scheinbar zufälliger Reihenfolge oder in gekürzter Form abgedruckt, was für die Leser verwirrend sein konnte. (Beispielsweise erschienen in Hit Comics die Hulk-Episoden aus Tales to Astonish bunt gemischt, und teils prangte auf dem Cover sogar der Sub-Mariner Namor mit dem Titel „Halk“, da BSV die wechselnden Original-Titelbilder nicht anpasste.)

Insgesamt ebnete der BSV mit Hit Comics zwar den Weg für Marvel-Helden in Deutschland, doch die Hulk-Präsenz blieb in dieser Phase noch unregelmäßig und qualitativ bescheiden.


Williams-Verlag: Die eigene Hulk-Serie (1974–1976)

Einen Neustart erfuhr der Hulk in Deutschland erst 1974, als die Marvel-Lizenz an den Williams-Verlag überging. Klaus Recht (vormals BSV) kündigte einen Qualitätssprung an und distanzierte sich deutlich von der alten BSV-Veröffentlichungsweise. Im Januar 1974 startete Williams die Marvel-Superhelden mit eigenständigen Heftreihen neu – darunter eine monatliche Serie Der unglaubliche Hulk (oft als Der gewaltige Hulk betitelt). Diese Williams-Serie lief von 1974 bis 1976 und umfasste insgesamt 33 Ausgaben.

Von Anfang an sorgte Williams für einen geordneten, chronologischen Abdruck der Geschichten. So druckte man die US-Hefte von The Incredible Hulk erstmals in richtiger Reihenfolge nach, beginnend mit der Origin-Story aus Hulk Nr. 1 von 1962. Auch technisch und optisch gab es Verbesserungen: Die Comics waren nun vollfarbig und mit professionellem Lettering versehen, zudem wurde die Marvel-typische Fan-Ansprache und Übersetzungskultur übernommen. Die Leser bekamen also erstmals Hulk-Abenteuer in ansprechender Qualität präsentiert, inklusive redaktioneller Seiten und Übersetzungen, die näher am Originalton waren.

Auffällig war für viele Fans auch die Namensanpassung: Aus dem gewohnten „Halk“ der BSV-Hefte wurde nun endlich korrekt „Hulk“. Anfangs fanden einige jugendliche Leser den Namen „Hulk“ klanglich ungewohnt oder „albern“, da sie jahrelang „Halk“ gelesen hatten – erst mit ein bisschen Englischunterricht erkannten sie, dass sich an der Figur nichts geändert hatte außer der Schreibweise.

Inhaltlich bot die Williams-Reihe dem deutschen Publikum viele Klassiker: Man veröffentlichte nacheinander Hulks frühe Duelle mit der Armee um General Ross, den ersten Kampf gegen Iron Man (im Rahmen der Rächer-Serie) und auch Hulks Treffen mit anderen Helden. Interessanterweise druckte Williams vier der sechs ursprünglichen US-Hefte der 1962er-Serie (in fünf deutschen Heften) und übersprang zwei Ausgaben, doch alle Tales to Astonish-Episoden ab 1964 erschienen danach vollständig und in korrekter Reihenfolge. Oft enthielten die Hulk-Hefte als Zweitgeschichte auch Abenteuer des X-Teams (X-Men), um das Heft zu füllen – eine Praxis, die Marvel damals in vielen internationalen Ausgaben anwandte.

Trotz positiver Resonanz konnte sich die Hulk-Heftserie jedoch nicht auf Dauer halten. Im Herbst 1976 geriet Williams’ Marvel-Programm in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Im September 1976 wurde die Hulk-Serie (mit Ausgabe 33) gemeinsam mit fünf weiteren Marvel-Titeln eingestellt. Lediglich die Spitzenreiter Die Spinne (Spider-Man), Die Fantastischen Vier und Die Rächer führte Williams noch bis 1978/79 weiter, bevor auch diese endeten.


Condor-Verlag: Hulk im Taschenbuch-Format (1980–1996)

Ende der 1970er übernahm der neu gegründete Condor Verlag (ConPart) die Marvel-Lizenzen für Deutschland. Der ehemalige BSV-Mitarbeiter Wolfgang J. F. Biehler sicherte sich 1979 die Rechte, nachdem Williams und Marvel USA sich über finanzielle Konditionen nicht mehr einigen konnten. Die Ära Condor (1979–1996) wurde zur bis dato längsten Periode, in der Marvel-Comics bei einem deutschen Verlag erschienen – gleichzeitig aber auch zur umstrittensten unter Fans.

Biehler verfolgte nämlich ein anderes Konzept: Condor setzte vor allem auf Comic-Taschenbücher im Kleinformat statt auf klassische Heftserien. Tatsächlich startete Condor ab 1980 mit einer Reihe von Taschenbuch-Ausgaben für verschiedene Marvel-Helden – und der Hulk war einer davon. Unter dem Titel Der unglaubliche Hulk erschien ab Januar 1980 eine Taschenbuchserie, die in unregelmäßigen Abständen (mehrmals pro Jahr) neue Bände herausbrachte. Bis 1996 wurden insgesamt 47 Hulk-Taschenbücher veröffentlicht.

Darin sammelte Condor einerseits ältere bereits in den 60er/70er-Jahren entstandene Hulk-Abenteuer, druckte aber später auch aktuelle Storylines der 80er und 90er Jahre nach. Oft enthielt ein Taschenbuch 2–3 US-Hefte vom Hulk sowie zusätzliche Geschichten anderer Helden als Bonus.

Condors Veröffentlichungen erreichten eine breite junge Leserschaft und waren kommerziell erfolgreich – Auflagen von 80.000 Exemplaren und mehr pro Ausgabe waren keine Seltenheit. Allerdings ging dieser Erfolg zu Lasten der Qualität. In Fankreisen erntete der Condor-Verlag viel Kritik für seine Veröffentlichungspraxis. So wurden Geschichten häufig gekürzt, neu zusammengesetzt oder in ungewöhnlicher Reihenfolge abgedruckt, was den Überblick erschwerte. Außerdem galten Übersetzung und redaktionelle Betreuung als weniger liebevoll im Vergleich zu Williams.

Trotz dieser Kritikpunkte muss man sagen, dass Condor Marvel-Comics (darunter Hulk) einer neuen Generation zugänglich machte – gerade durch das pocketbook-Format fanden die Comics den Weg an Kioske und in Supermärkte und wurden von vielen Kindern der 80er gesammelt.

Der Condor-Hulk erschien hauptsächlich in den Taschenbüchern, doch gab es vereinzelt auch andere Publikationen: So brachte Condor z. B. Marvel Comic Sonderhefte und Marvel Superhelden-Sammelbände heraus, wo der Hulk mit von der Partie war. In den 90er-Jahren veröffentlichte Condor sogar aktuelle US-Storylines (wie Der Hulk auf fremder Erde oder Zukunftshulk/„Maestro“ aus Future Imperfect) in Sonderbänden. Nichtsdestotrotz blieb das Taschenbuch das Herzstück der Hulk-Präsenz bei Condor.

Mitte der 90er sanken die Verkaufszahlen und Marvel wollte neue Lizenzbedingungen. 1996 endete die Zusammenarbeit mit Condor – im Oktober 1996 erschien das letzte Hulk-Taschenbuch (Nr. 47), womit die Condor-Marvel-Ära schloss. Biehler gab an, Auflagen unter 120.000 seien für ihn uninteressant geworden, während zeitgleich Konkurrent Dino/Panini mit modernerem Konzept bereitstand. Ab 1997 übernahm schließlich Panini Comics (Marvel Deutschland) die Marvel-Publikationen in Deutschland. Damit kehrten die Hulk-Comics wieder in klassisches Heftformat zurück – und bis heute ist der unglaubliche Hulk ein fester Bestandteil der deutschen Comicszene, nun in hochwertiger Aufmachung und kontinuierlicher Veröffentlichung.