Hintergrund
Die deutsche Albumreihe Die Zentauren erschien im Reiner Feest Verlag von 1988 bis 1990 und trägt den Untertitel „Aurora + Ulysses“. Sie ist die deutsche Ausgabe der frankobelgischen Serie Les centaures, die von Pierre Seron geschaffen wurde. Seron war im frankobelgischen Comic bereits als prägende Künstlerpersönlichkeit etabliert; Les centaures begann 1977 mit Vorveröffentlichungen im Magazin Spirou und wurde anschließend in Albenform weitergeführt. Für den deutschen Markt wurde die Serie von Feest in das eigene Albumprogramm übernommen, das in den späten 1980er Jahren zahlreiche internationale Reihen aus dem frankobelgischen Bereich veröffentlichte.
Der vorliegende Band „Das Tor zum Nichts“ ist der erste deutsche Band der Reihe und erschien 1988. Als Originaltitel ist „La porte du néant“ belegt. Gleichzeitig markiert dieser Band innerhalb der Gesamtserie einen Sonderfall, denn das erste Album der Originalreihe unterscheidet sich von den späteren Bänden dadurch, dass es noch Material enthält, das nachweislich mit Stephen Desberg verbunden ist, während die Serie sonst als von Pierre Seron geschaffen, geschrieben und gezeichnet beschrieben wird. Damit steht Band 1 bibliografisch etwas eigenständig innerhalb der Gesamtfolge.
Inhaltlich verbindet Die Zentauren Motive der griechischen Mythologie mit humorvoller Abenteuerdramaturgie. Im Zentrum stehen Aurora und Ulysses, zwei jugendliche Zentauren aus dem olympischen Bereich, die gegen ein Verbot verstoßen und dadurch in die Welt der Sterblichen geraten. Die Serie arbeitet mit plötzlich auftauchenden Übergängen zwischen Orten und Zeiten und entwickelt daraus eine Folge phantastischer, oft komisch gebrochener Episoden. Bereits dieser Grundansatz zeigt, dass die Reihe nicht als klassische Heroenfantasy konzipiert ist, sondern als humoristisches Abenteuer mit mythologischer Kulisse.
Edition & Limitierung
Die deutsche Reihe Die Zentauren lief bei Feest über den Zeitraum 1988 bis 1990. In der deutschen Ausgabe wurde der Serientitel mit dem Untertitel „Aurora + Ulysses“ versehen, wodurch die beiden Hauptfiguren bereits auf der Ebene der Edition hervorgehoben werden. Diese Benennung ist bibliografisch bedeutsam, weil sie die Reihe klar von späteren Gesamtausgaben und internationalen Integralen abgrenzt.
Der Band „Das Tor zum Nichts“ ist als Band 1 der deutschen Feest-Ausgabe eindeutig identifizierbar. Damit bildet er den Einstieg in die deutsche Reihenfassung und zugleich die Adaption des ersten Originalalbums „La porte du néant“. Für die Originalreihe lässt sich eine Abfolge von insgesamt sechs regulären Alben nachweisen, die zwischen 1982 und 1989 veröffentlicht wurden; spätere Integralausgaben ordnen das Material nochmals neu, ändern aber nichts an der Stellung des ersten Albums innerhalb der ursprünglichen Albumzählung. Die Feest-Ausgabe ist daher als eigenständige deutsche Edition einer bereits etablierten frankobelgischen Albumserie zu verstehen, nicht als isolierte Einzelveröffentlichung.
Eine nummerierte Vorzugsausgabe oder eine anderweitig ausdrücklich limitierte Sonderauflage ist für „Das Tor zum Nichts“ nicht belegt. Die Besonderheit der Ausgabe liegt nicht in einer dokumentierten Limitierung, sondern in ihrer Funktion als deutsche Erstausgabe des Serienauftakts im Feest-Programm. Ebenso wichtig ist die bibliografische Abgrenzung innerhalb der Gesamtserie: Band 1 steht am Anfang der deutschen Ausgabe, basiert auf dem ersten Originalalbum und nimmt wegen seiner Verbindung zu den frühen, teilweise von Desberg mitgeprägten Geschichten eine Sonderrolle innerhalb der Reihe ein.
Ausstattung
Die Ausgabe erschien als farbiges Softcover-Album im klassischen frankobelgischen Veröffentlichungsformat. Für die deutsche Feest-Ausgabe sind 48 Seiten, ISBN 3-89343-191-8, das Erscheinungsjahr 1988 sowie die Herkunft Frankreich/Belgien nachgewiesen. Als Zeichner und Texter ist auf der deutschen Ausgabe Pierre Seron genannt. Damit folgt die bibliografische Erfassung der deutschen Veröffentlichung der etablierten Zuschreibung an Seron, auch wenn die Entstehung des ersten Originalalbums in der Sekundärdokumentation differenzierter beschrieben wird.
Serons grafischer Stil ist deutlich im frankobelgischen Humor- und Abenteuercomic verwurzelt. Die Serie verbindet eine klare, lesbare Seitenarchitektur mit einer beweglichen, karikierenden Figurenzeichnung. Gerade Die Zentauren zeigt dabei Serons Interesse an mythologischen Stoffen, ohne den Humor aufzugeben. Der visuelle Eindruck ist leichter und verspielter als bei realistischen Abenteueralben, zugleich aber präzise genug, um die phantastische Welt mit eigener Logik auszustatten. Diese Verbindung von Abenteuer, Parodie und mythologischer Motivik ist für die Reihe charakteristisch und prägt bereits den ersten Band.
Bedeutung für Sammler
Für die bibliografische Einordnung ist „Das Tor zum Nichts“ vor allem deshalb wichtig, weil der Band den Auftakt der deutschen Feest-Reihe bildet und zugleich auf das erste Originalalbum der Serie zurückgeht. Innerhalb der deutschen Comicveröffentlichungen des Reiner Feest Verlags steht er für die Phase, in der Feest verstärkt frankobelgische Alben mit eigener verlegerischer Linie auf Deutsch zugänglich machte. Dadurch ist der Band nicht nur Teil einer einzelnen Serie, sondern auch Teil eines klar bestimmbaren verlegerischen Umfelds.
Innerhalb der Gesamtserie besitzt Band 1 zusätzlich ein besonderes Gewicht, weil er die Grundkonstellation von Aurora und Ulysses etabliert und innerhalb der Dokumentation der Originalreihe als Sonderfall des frühen Serienmaterials erscheint. Wer die Reihe bibliografisch vollständig erfassen will, kommt an diesem Band nicht vorbei, da hier die deutsche Titelgebung, die Zuordnung zum Feest-Programm und die Anbindung an das erste französisch-belgische Album zusammenlaufen. Gerade diese klare Stellung am Anfang der deutschen und der ursprünglichen Albumfolge verleiht „Das Tor zum Nichts“ seine besondere Bedeutung innerhalb der Reihe Die Zentauren.